Sonntagsbrief

23. Sonntag im Jahreskreis, 6. September 2015


„Effata – Öffne dich!“

 In der Mitte des heutigen Evangeliums steht das aramäische Wort „Effata“, der Zuruf an den Kranken: „Öffne dich!“ Trifft dieser Zuruf auch uns in unserer Lebenssituation? Können wir uns wiederfinden in dem Taubstummen des Evangeliums, der diese Aufforderung Jesu nötig hat, um geheilt zu werden? Sind wir nicht in unserer alltäglichen Geschäftigkeit und vor allem auch in der ständigen Einforderung durch unsere heutige Informations-und Kommunikationsgesellschaft nicht oft genug auch taub? Taub für das vorsichtig gewagte, versöhnende Wort des anderen nach einem Streit, taub für ein mahnendes, aber gerade dadurch helfendes Wort, taub für das trostsuchende Wort eines Kranken oder Trauernden in unserer Umgebung.

 

 

 

Erleben wir uns nicht oft als sprachlos und stumm trotz so vieler Worte, die gemacht werden? Sprachlos angesichts der täglichen Unglücksfälle und Katastrophen, des Terrors in der Welt und der unvorstellbaren Brutalität, mit der Menschen gegeneinander vorgehen. Erfahren wir uns nicht als stumm und sprachlos da, wo wir schweres Leid erleben im Freundeskreis, in der Familie?

Die Leute im Evangelium sagen staunend: „Den Tauben gibt er das Gehör und den Stummen die Sprache.“ Ist das nicht auch Zusage, Verheißung an uns? Ist das nicht auch ein Wort, das Hoffnung in uns weckt, Hoffnung für unser Leben. Jesus spricht auch uns dieses wunderbar verwandelnde Wort zu.

Herzliche Sonntagsgrüße
J. Nüttgens, Pfr. i. R.