Sonntagsbrief

zum 3. Ostersonntag
19. April 2015


Liebe Gemeinden,

an den Sonntagen der Osterzeit trägt die Kirche uns in den Lesungen die wichtigsten Abschnitte aus dem 1. Brief des Hl. Apostels Johannes vor:

Dieser Brief aus der ersten Christen-Generation ist ganz und gar bestimmt von der Sorge um einen bodenständigen und handfesten Glauben – fernab aller falschen Frömmelei und weltflüchtigen Schwarmgeisterei. Schon der erste Satz, mit dem der Apostel seinen Brief eröffnet, will als klare Absage verstanden sein an alle, die damals als himmelstürmende Gnostiker, entsprechend heute als weltflüchtige Esoteriker ihr Heil über allen Wolken suchen, anstatt ihre alltäglichen Aufgaben und konkreten Pflichten ernst zu nehmen. Das ist das Leitmotiv, das wie ein roter Faden den ganzen Brief durchzieht: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens.“ (1 Jo 1, 1) –

Eine alte, tiefsinnige Legende erzählt uns die Geschichte zweier Mönche auf der Suche nach Gott. Beide lasen miteinander in einem alten Buch, am Ende der Welt gebe es einen Ort, an dem Himmel und Erde sich berührten. Also machten sich beide auf den Weg, durchwanderten die Welt, bestanden unzählige Gefahren, erlitten alle Entbehrungen und Versuchungen, die einen Menschen von seinem Ziel abbringen können. Eine Tür sei dort, so hatten sie gelesen; man brauche nur anzuklopfen – und schon befinde man sich bei Gott. Schließlich entdeckten sie tatsächlich, was sie suchten. Bebenden Herzens klopften sie an die Tür und sahen gespannt, wie sie sich öffnete: Und als sie eintraten, standen sie zuhause in ihrer Klosterzelle.

Gott lässt sich für mich da unmittelbar finden, wo er selbst mich hingestellt hat und wo ich vonnöten bin – an meinem konkreten Platz in meinem Alltags-Leben.

Herzliche Sonntagsgrüße

Ihr H.J. Schmitz, Pfarrer

Lied des Monats April

in allen unseren Sonntagsgottesdiensten

 

NGL Nr. 338 “Jerusalem, du neue Stadt”